Bewaffnung und Ausrüstung

Gewehr, Seitengewehr und Degen gehören zum Bild der Bürgerwehr wie Uniform und Fahne. Heute sind es reine Ehren- und Traditionswaffen: Geschossen wird ausschließlich Salut – bei Fronleichnam, am Heimatfest Mariä Geburt, beim Volkstrauertag und zur letzten Ehre für verstorbene Kameraden.

Unsere Waffen heute

Der Karabiner K31

Die Mannschaft trägt den Schweizer Karabiner Modell 1931, kurz K31. Er war von den 1930er-Jahren bis Ende der 1950er-Jahre die Ordonnanzwaffe der Schweizer Armee und wurde in der Eidgenössischen Waffenfabrik Bern gefertigt. Bis heute gilt er als einer der präzisesten Militärkarabiner seiner Zeit.

Typisch ist der Geradezugverschluss: Der Schütze zieht den Verschluss am Knauf einfach gerade nach hinten und schiebt ihn wieder vor – ohne ihn zu drehen wie bei anderen Gewehren seiner Zeit. Der K31 ist die letzte Weiterentwicklung des Schmidt-Rubin-Systems, benannt nach dem Waffenkonstrukteur Rudolf Schmidt und Eduard Rubin, dem Entwickler der Munition.

Die ersten Schweizer Gewehre kamen schon 1954 über den Landesverband nach Mittelbiberach.

Das Seitengewehr

Zum Karabiner gehört das Seitengewehr, also das Bajonett – ebenfalls ein Schweizer Ordonnanzstück mit Holzgriffschalen, Mündungsring an der Parierstange und dem Herstellerstempel aus Bern auf der Klinge. Getragen wird es in der stählernen Scheide, die in einem weißen Koppelschuh am Koppel hängt – passend zum weißen Lederzeug der Uniform.

Bei Kirchenparaden wird das Seitengewehr „aufgepflanzt“, also auf den Lauf gesteckt. So hat es die Bürgerwache schon 1926 beschlossen.

Degen und Säbel der Offiziere

Die Offiziere führen einen Degen. Bei uns finden sich zwei klassische Formen:

Der IOD – der Infanterie-Offiziersdegen, wie ihn die Offiziere der Infanterie im Kaiserreich trugen. Typisch sind das Gefäß aus Messing mit dem durchbrochen gearbeiteten Adler im Korb, der mit Draht umwickelte Griff mit gekröntem Monogramm und das silberne Portepee, die Quaste am Gefäß.

Der Löwenkopf – benannt nach dem Knauf in Form eines Löwenkopfs, eine besonders beliebte und repräsentative Form der Offiziersblankwaffe.

Mit dem Degen grüßen die Offiziere, kommandieren und erweisen die Ehrenbezeugung vor Fahne und Geistlichkeit.

Kanone und Böller

Böllerschüsse eröffnen seit jeher die großen Festtage. Seit 2000 donnert zudem der Nachbau einer Kanone aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges – gebaut 1994 zum 60-jährigen Bestehen der Kleinen Bürgerwehr.

Die Geschichte unserer Bewaffnung

1610 Spieß und Büchse

Die Gemeindeordnung des Hans Ludwig von Ulm verlangt von jedem Untertan „neben seiner Seitenwehr eine gute Überwehr“: Hellebarde, Spieß und Büchse. Wer einen Pflug ins Feld führt, muss jede Woche zum Schießen.

1809 Hellebarden und Lanzen

Die Offiziere tragen Hellebarden, die Rosenkranzbruderschaft bezahlt das Schleifen von acht Lanzen. Der Hauptmann trägt sein eigenes Seitengewehr, das 1802 auf Kosten der Bruderschaft hergerichtet wurde.

1819 Gewehr mit Bajonett

Die neu gegründete Kompanie legt Spieß und Lanze ab. Von nun an gehören Gewehr mit Bajonett, Säbel und Patronentasche zur Ausrüstung.

1846 Die Erlaubnis des Oberamts

Am 9. April 1846 erlaubt das Königliche Oberamt Biberach den 59 Mitgliedern des Bürgermilitärs, Feuergewehre zu halten – solange sie Mitglieder sind. Wer sein Gewehr an Unberechtigte ausleiht, verliert das Recht.

1861 Säbel nach Militärvorbild

Mit der neuen Uniform werden Säbel an Koppeln aus weißlackiertem Leder eingeführt; die Offizierssäbel folgen der Form des regulären Militärs.

1908 Der erste Ehrendegen

Zu seinem 25-jährigen Jubiläum als Hauptmann erhält Josef Anton Figel von der Bürgerwehr einen Degen als Ehrengeschenk.

1926 Das aufgepflanzte Seitengewehr

Gewehre und Seitengewehre werden Stück für Stück zusammengekauft oder geliehen. Die Bürgerwache beschließt, bei den Kirchenparaden das Seitengewehr aufzupflanzen.

1948 Ohne Gewehre

Nach dem Krieg sind alle Waffen eingezogen. Zu Fronleichnam rückt die Bürgerwache behelfsweise mit einem selbst gefertigten Speer aus, an Mariä Geburt müssen die gewohnten Salven ausfallen – „was auch von auswärtigen Gästen bedauert wurde“. 1949 bittet die Wehr die Militärregierung schriftlich um Rückgabe der Gewehre.

1950 Wieder unter Gewehr

Zu Fronleichnam 1950 rückt die Bürgerwache erstmals wieder unter Gewehr aus.

1954 Karabiner aus der Schweiz

Über den Landesverband bietet sich die Gelegenheit, ältere Gewehre und Seitengewehre aus der Schweiz zu beziehen. Der Verwaltungsrat bestellt 40 Gewehre und 70 Seitengewehre samt Zubehör – sie kommen „vollzählig und gut erhalten“ an. Am Volkstrauertag 1955 wird die erste Salve mit den neuen Gewehren geschossen. Im selben Jahr schenkt die Familie Anton Wieland aus Oberdorf der Bürgerwache einen Degen.

1959 Der Ehren-Gala-Degen

Hauptmann Franz Wieland erhält für 50 Jahre Zugehörigkeit einen Ehren-Gala-Degen, gestiftet je zur Hälfte von Bürgerwache und Gemeinde.

1967 Nur auf Kommando

Die Bürgerwache beschließt: „Die Gewehre dürfen in Zukunft nur auf Kommando geladen werden.“ Die Gewehre werden gemeinsam gepflegt; 1968 besuchen der Schießmeister und zwei Böllerschützen einen Lehrgang für den Umgang mit Pulver.

2000 Die Kanone

Der 1994 gebaute Nachbau einer Kanone aus dem Dreißigjährigen Krieg kommt erstmals zum Einsatz.

Sicherheit und Verantwortung

Der Umgang mit Waffen, Platzpatronen und Schwarzpulver folgt den Vorgaben des Waffen- und Sprengstoffrechts. Geladen und geschossen wird nur auf Kommando und nur durch eingewiesene Mitglieder. Die Pflege der Waffen gehört zu den Pflichten jedes Bürgerwehrmanns – so steht es schon in unseren Protokollen von 1929.

Zur Uniform der Bürgerwehr · Zur Geschichte

Quellen: Protokollbücher der Historischen Bürgerwehr Mittelbiberach 1845–2008 – Abschrift von Ulrich Otto Radtke, zusammengefasst von Robert Riesner; A. Hirner / A. Rummel: Geschichte der Reichsvogtei und Bürgerwache Mittelbiberach-Oberdorf.

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