Die Fahne ist das Herzstück jeder Bürgerwehr. Hinter ihr marschiert die Kompanie, vor ihr erweisen die Offiziere die Ehrenbezeugung, und mit ihr ehrt die Wehr verstorbene Kameraden. Die Bürgerwehr Mittelbiberach besitzt heute zwei Fahnen – beide mit einer langen Geschichte.

Der Fahnenzug
Die Fahne wird vom Fähnrich getragen, begleitet von zwei Fahnenbegleitern. Gemeinsam bilden sie den Fahnenzug, den der Oberleutnant führt. Weil die Bürgerwehr zwei Fahnen besitzt, gibt es heute auch einen zweiten Fahnenzug. Der Fähnrich trägt ein rotes, silbern besticktes Fahnenbandelier und weiße Handschuhe.

Die Geschichte unserer Fahnen
1856 Die erste Fahne
Am 13. Januar 1856 schließen Schultheiß Kehrle, Oberleutnant Figel, Kapellmeister König und Oberfeldwebel Dörfner einen Vertrag mit dem Biberacher Ornathändler Anton Widmann über eine Fahne „fürs Bürgermilitär Mittelbiberach“:
Schwarze und rote Seide, 2½ württembergische Ellen lang und breit – also rund 1,50 Meter im Quadrat. Vorne das württembergische Landeswappen in einem gestickten Eichenlaubkranz, auf der Rückseite in Gold und Seide mit gotischen Buchstaben: Bürgergarde Mittelbiberach. Dazu Kuppel, Futteral und eine Lanze aus Messing. Preis: 64 Gulden – nach heutigem Wert etwa 1.500 Euro.
1862 Die Umarbeitung
Schon sechs Jahre später lässt die Bürgerwache die Fahne beim Biberacher Ornat-Fabrikanten Carl Neff umarbeiten: mit karmesinrotem Taft, breiten echten Goldfransen, goldenen Quasten und Schnüren, neu lackierter Stange und repariertem Schild – für 42 Gulden. 1890 wird die Fahne noch einmal erneuert.
1930 Die neue Fahne
1929 stellt der Verwaltungsrat fest, dass eine neue Fahne „eine Notwendigkeit“ sei. Am 18. Mai 1930 wird sie nach einem Großen Zapfenstreich am Vorabend im Schlosshof von Dekan Hirner geweiht. Die Bürgerwache Saulgau übernimmt die Patenschaft, rund 40 Fahnen ziehen im Festzug mit. Festdamen übergeben die Fahne dem Fähnrich und stiften dazu ein Bandelier.
1967 Die Fahne der Familie Schad
Zur Verpflichtung am 27. August 1967 stiftet Baron Schad von Mittelbiberach eine Fahne in Schwarz-Gold mit Adler – als Vermächtnis an das Geschlecht der Schad, das vor rund 400 Jahren das Schloss bewohnte. Sie wird kirchlich geweiht und im Pfarrhof gehisst. Die Fahne von 1930 wird im selben Jahr außer Dienst gestellt; die Bürgerwehr greift wieder auf die alte Fahne zurück.
1974 Fahnenbänder zum Jubiläum
Zum 375-jährigen Bestehen verleiht die Gemeinde der Bürgerwehr ein Fahnenband. Auch die Kleine Bürgerwehr, die in diesem Jahr ihre erste eigene Fahne erhalten hat, bekommt ein Band. Weil die alte Fahne an einigen Stellen brüchig geworden ist, wird sie im Winter ausgebessert; 1984 bekommt sie eine neue Scheide und Stange.
1987 Beim Papst
Bei der Seligsprechung von Ulrika Nisch in Rom bleibt Papst Johannes Paul II. bei der Bürgerwehr stehen und erkundigt sich nach den Uniformen und der Kompaniefahne. Im selben Jahr wird die alte Fahne für eine Ausstellung der Kunstfreunde Herbertingen ausgeliehen.
2002 Restauriert und neu geweiht
Beide Fahnen werden in einer Paramentenwerkstatt in Munderkingen grundlegend restauriert. Am 5. Mai 2002 werden sie zusammen mit dem neuen Schellenbaum, der den von 1966 ablöst, in der Kirche Mittelbiberach geweiht. „Fahnen mit Geschichte“ nennt Hauptmann Helmut Scheytt sie: Symbole für Geschlossenheit und Zusammenhalt, für Frieden, Nächstenliebe und Verständigung über Grenzen hinweg.
Die Fahne der Kleinen Bürgerwehr
Auch die Kinder marschieren hinter einer eigenen Fahne: Die Kleine Bürgerwehr erhielt sie 1974; 1975 beschaffte die Gemeinde zusammen mit neuen Uniformen eine weitere Fahne. Zur Kleinen Bürgerwehr
Quellen: Protokollbücher der Historischen Bürgerwehr Mittelbiberach 1845–2008 – Abschrift von Ulrich Otto Radtke, zusammengefasst von Robert Riesner; R. Riesner: Daten zur Fahne der Historischen Bürgerwehr Mittelbiberach (Zusammenstellung aus Journalbüchern, Rechnungen und Protokollen).