Der Große Zapfenstreich

Der Große Zapfenstreich ist die feierlichste Zeremonie der deutschen Militärmusik – eine Abendmusik aus Trommel- und Pfeifenstücken, Trompetensignalen und einem Gebet, aufgeführt im Schein von Fackeln. Er wird bewusst selten gespielt und nur zu besonderen Anlässen. Die Historische Bürgerwehr Mittelbiberach gehört zu den Wehren, die ihn in seiner überlieferten Form pflegen.

Woher kommt das Wort?

Zur Zeit der Landsknechte ging abends zu einer festen Stunde der Profos mit einem Pfeifer und einem Trommler durch die Schänken und schlug mit seinem Stock auf den Zapfen des Fasses. Von nun an durfte nichts mehr ausgeschenkt werden, und die Soldaten mussten in ihre Quartiere. Schon 1672 heißt es in einer Ordnung, kein Soldat dürfe sich „nach dem Zapffen-Schlag“ noch im Wirtshaus finden lassen. Eine andere Deutung leitet das Wort vom Trommel-„Streich“ ab – im Schwäbischen sagt man ja bis heute „Streiche“ für Schläge.

Vom Abendgebet zur Zeremonie

1813, in den Befreiungskriegen gegen Napoleon, lernte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen bei den verbündeten Russen den Brauch kennen, nach dem Zapfenstreich ein Gebet zu sprechen. Mit Erlass vom 10. August 1813 führte er ihn in seiner Armee ein: Die Soldaten nehmen den Tschako ab und beten still „etwa ein Vaterunser lang“. Der Musikdirektor der preußischen Garde, Wilhelm Wieprecht, fügte die Zapfenstreiche der Fußtruppen und der Reiterei mit dem Gebet zur heute bekannten Form zusammen; 1838 wurde der „Große Zapfenstreich“ in Berlin mit Hunderten Musikern erstmals aufgeführt. Als Gebet setzte sich das Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“ durch – Text von Gerhard Tersteegen, Melodie von Dmitri Bortnjanski. Die Nationalhymne als Abschluss kam erst nach 1918 hinzu.

Der Ablauf

  1. Aufmarsch mit klingendem Spiel, begleitet von Fackelträgern und Schützen unter Gewehr
  2. Meldung des kommandierenden Offiziers an die zu ehrende Persönlichkeit
  3. Serenade – einige Musikstücke, oft nach Wunsch des Geehrten
  4. Locken zum Zapfenstreich
  5. Zapfenstreich der Fußtruppen
  6. Zapfenstreich der berittenen Truppen (Retraite mit drei Posten)
  7. Zeichen zum Gebet – „Helm ab zum Gebet“
  8. Gebet: „Ich bete an die Macht der Liebe“
  9. Abschlagen und Ruf nach dem Gebet
  10. Nationalhymne
  11. Abmeldung und Abmarsch

Unser Großer Zapfenstreich

In Mittelbiberach wirken Musikkapelle, Spielmannszug und Schützenkompanie zusammen. Seit fast hundert Jahren gehört der Große Zapfenstreich zu den Höhepunkten unserer Feste – und zu den größten Ehrungen, die die Bürgerwehr vergeben kann.

1930 Zur Fahnenweihe

Am Vorabend der Fahnenweihe, dem 17. Mai 1930, führen Spielleute und Musik der Bürgerwache den „großen militärischen Zapfenstreich“ auf.

1949 350 Jahre Bürgerwehr

Der Große Zapfenstreich eröffnet das erste große Bürgerwehrfest nach dem Krieg.

1973 Für zwei Landräte

Im Oktober wird Landrat Heckmann vor dem Landratsamt Biberach mit dem Großen Zapfenstreich verabschiedet, im November sein Nachfolger Dr. Wilfried Steuer zur Amtseinsetzung geehrt.

1975–1995 Für Ernst Jünger

Auf Einladung von Landrat Dr. Steuer spielt die Bürgerwehr dem Schriftsteller Ernst Jünger – dem letzten lebenden Träger des Ordens „Pour le Mérite“ – zum 80. Geburtstag in Wilflingen den Großen Zapfenstreich, und danach alle fünf Jahre bis zum 100. Geburtstag 1995.

1983–1986 Für Weggefährten

1983 zum 50. Geburtstag von Landrat Dr. Steuer, 1984 als Gäste beim Musikverein Kirchbierlingen und im Dezember 1986 zur Verabschiedung von Bürgermeister Heimann vor dem Schulhaus.

1990 Im Pfarrgarten

Beim Heimatfest Mariä Geburt marschiert die Bürgerwehr bei einbrechender Dämmerung mit Fackelträgern zum Pfarrhof. Im illuminierten Pfarrgarten drängen sich die Zuschauer.

1999 400 Jahre

Zum Jubiläum und Landestreffen erklingt der Große Zapfenstreich auf dem Sportplatz vor einer riesigen Zuschauermenge.

Großer Zapfenstreich für Ihren Anlass?

Ein Jubiläum, eine Verabschiedung, ein runder Geburtstag einer verdienten Persönlichkeit? Sprechen Sie uns gerne an – über eine Aufführung entscheidet der Verwaltungsrat. Bitte melden Sie sich möglichst frühzeitig. Zu Mitmachen & Kontakt

Quellen: Protokollbücher der Historischen Bürgerwehr Mittelbiberach 1845–2008 – Abschrift von Ulrich Otto Radtke, zusammengefasst von Robert Riesner; U. Radtke: Geschichte der Bürgerwehr Mittelbiberach; „Der Große Zapfenstreich“ (Zusammenstellung aus: Historische Bürgerwache Ehingen 1993, Jubiläumsschrift Bürgerwehr Waldburg 1998, „Bürger im bunten Rock“ Heft 7/1961); „Bürger im bunten Rock“, Dezember 1990.

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