Die Kleine Bürgerwehr

Als Hauptinitiator für die Gründung der Kleinen Bürgerwehr kann wohl die Schützendirektion Biberach angesehen werden. Sie wollte den Kinderumzug des historischen Schützenfestes in Biberach erweitern.

1933 – der Anfang

Der erste Schritt erfolgte am 5. Juni 1933. An diesem Tag wurden dem Verwaltungsrat der Historischen Bürgerwehr Mittelbiberach-Oberdorf Musteruniformen vorgestellt, jeweils eine für Knaben und für Mädchen. Sie fanden große Zustimmung, und rasch wurden 25 Mädchen- und 40 Knabenuniformen hergestellt.

Der erste Auftritt erfolgte am Dienstag, 4. Juli 1933. Der „Anzeiger im Oberland“ schrieb darüber:

Mit Spannung sah man dem erstmaligen Auftreten der Jugendlichen aus Mittelbiberach-Oberdorf, dargestellt von den dortigen Schülern, entgegen. Da kamen sie daher, in ihrer kleidsamen Uniform im gleichen Schritt und Tritt, voraus stramme Marschmusik und am Ende der Schloßwagen mit der Abtei. Alles wie aus dem Schächtelchen blitzblank. Die weiblichen Gardisten hatten zwar kein Schießgewehr, standen aber ihren männlichen Kameraden in nichts nach.

Anzeiger im Oberland, Juli 1933

Die Kosten für die Uniformen beliefen sich damals auf 466,97 Reichsmark, nach heutigem Wert etwa 3.300 Euro. Sie wurden von der Schützendirektion (200 RM), den Eltern (3,50 RM pro Kind) und den damals noch selbständigen Gemeinden Mittelbiberach und Oberdorf aufgebracht.

Nach dem Krieg

1949 wurde die Historische Bürgerwehr wieder ins Leben gerufen und mit ihr die Kleine Bürgerwehr. Da die französische Militärregierung alle Waffen hatte einziehen lassen, bestand die Bewaffnung der Historischen wie der Kleinen Bürgerwehr aus Hellebarden aus Holz.

1952 marschierte die Kleine Bürgerwehr erstmals wieder beim Schützenfest mit, allerdings ohne Mädchen. Ausgebildet und geleitet wurde sie in dieser Zeit von den Volksschullehrern. Der Andrang war jedes Jahr groß, und die Lehrer hatten Mühe, ihn zu bewältigen.

Durch die wachsende Schülerzahl und das sich dezentralisierende Schulsystem war es sinnvoll, die Ausbildung der Kleinen Bürgerwehr in die Historische Bürgerwehr zu integrieren. Der damalige Hauptfeldwebel Anton Weiß übernahm diese Aufgabe, unterstützt von Anton Hermann. Seit März 1993 ist die Kleine Bürgerwehr, die zuvor von der Gemeinde verwaltet wurde, dem Verein angegliedert.

Uniformen und Ehrungen

Die Uniformen und Ausrüstungen der Kleinen Bürgerwehr lagerten von 1933 bis 1949 bei der Schützendirektion, danach auf der Bühne des Schulhauses in Mittelbiberach. Im Lauf der Jahre verschlissen die Uniformen zusehends. 1975 beschaffte die Gemeindeverwaltung deshalb neue Uniformen und eine neue Fahne für 15.000 DM.

Einziges Ehrenmitglied der Kleinen Bürgerwehr ist Alois Riedmüller, der sich 1981 sehr um sie verdient gemacht hat. Beim Schützenfestumzug 1983 liefen erstmals wieder zwei Mädchen an der Seite des Hauptmanns mit.

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